See you later, alligator ...
Wer an Florida denkt, denkt an Alligatoren, an die Everglades.
Wer es jedoch leid ist - und so erging es mir - stundenlang auf der Lauer zu liegen, um einen Vertreter dieser Spezies aufzuspüren, der sollte sich auf den Weg nach St. Augustine machen. Hier gibt's "Alligatoren total", in voller Aktion.
Auf der "Alligator Farm", schon 1893 gegründet, hat man endlich mal die Möglichkeit, die Tiere aus kurzer und dennoch sicherer Entfernung in Augenschein zu nehmen, über die in Florida so oft geredet wird, die man als Normaltourist jedoch recht selten zu Gesicht bekommt, obwohl es mehr als eine Million Alligatoren in Florida gibt. Wer glaubt, Alligatoren würden die gesamte Zeit ihres Lebens in völliger Lethargie und im Nichtstun verharren, der irrt. Zumindest zweimal täglich, um 11.30 Uhr und 14.30 Uhr, außer donnerstags und sonntags, fühlen sich die Bewohner der Alligatorfarm veranlasst, ihre müden Knochen zu bewegen. Das "Essen" ruft. Mit einer Mischung aus Schrecken und Faszination kann der Besucher verfolgen, wie die Tiere die rohen Fleischstücke verschlingen. Was unterscheidet eigentlich Alligatoren von Krokodilen? Im "Land of Crocodiles", dem weltweit einzigen Ort, an dem komplett alle existierenden Krokodilsarten gezeigt werden, erhält man die Antwort. Krokodile sind von Natur aus wesentlich aggressiver. Äußerlich unterscheiden sich beide Reptilienarten vor allem durch die Form ihrer Kieferknochen. Während das Gebiss des Krokodils länglich und gestreckt ist, wirkt die Schnauze eines Alligators gedrungen, die Form des Schädels eher plump. Im hinteren Teil des Parks kann man sein erworbenes Wissen gleich anwenden: Hier leben in naturähnlicher Umgebung Krokodile und Alligatoren, dazu noch Vögel, Fische, und was ein subtropisches Sumpfgebiet noch so alles beherbergt. Man hat sogar die einmalige Möglichkeit, Babyalligatoren zu füttern.
Hat man die Sumpflandschaft auf dem sicheren Holzsteg durchquert, gelangt man zu "Gomek", meinem Favorit der Alligator Farm. Gomek ist ein Krokodil aus Neu-Guinea. Da er über fünf Meter lang ist, residiert er in einem eigenen "Haus". Gomek gehört zu den größten Tieren seiner Art und ist dazu noch sehr aggressiv. Gomek frist sehr gern Fische, Vögel, bei großem Appetit auch Schweine oder Hirsche. Auch Menschen, so ist auf der Tafel zu lesen, verschmäht er nicht. Ich fand ihn auf Anhieb irgendwie sehr sympathisch, und ich glaube, er mochte mich auch. Als Zeichen seiner Gunst blies der sonst eher reglose Gomek zweimal kurz durch die Nase, ein untrüglicher Freundschaftsbeweis unter Krokodilen.
Nicht versäumen sollten Sie auch die Shows, die im Reptilien-Theater stündlich geboten werden. In typisch amerikanischer Manier - Unterhaltung steht an erster Stelle - erfährt man allerhand Wissenswertes über Alligatoren, Krokodile und Schlangen. Auch wie der Mensch sich verhalten soll, begegnet er nun doch mal einem Reptil in freier Wildbahn. Alligatoren sind übrigens sehr friedlich. Stört man sie nicht, so lassen sie auch uns in Ruhe. Anders ist es mit den Krokodilen. Verhaltensmaßregeln sind hier überflüssig: "they eat you anyway" - "sie fressen dich sowieso", so die lapidare Bemerkung des Rangers.
Wen der Mut nicht verlassen hat, darf am Ende der Show auch eines der Tiere anfassen. Die "Alligator Farm" liegt rund 45 Minuten nördlich von New Smyrna Beach, gleich an der Straße A-1-A. Ein halben Tag sollte man schon dafür einplanen.

